Tagebuch 2024

Hier berichten die Mitglieder des Vereins „Britzer-Müllerei“ von ihren Erlebnissen und den Ereignissen an der Britzer Windmühle und von gemeinsamen Exkursionen im Jahr 2024.

Mai 2024

15.05. Haaksbergen und Rückfahrt

Auf der Rückfahrt machten wir Station an „De Korenbloem“ in Haaksbergen. Dort hatten wir Gelegenheit Marko Sturm, einen unserer künftigen Prüfer, kennenzulernen. Er führte uns durch die Galerieholländermühle. Selbst am Ende unserer Tour mit bereits umfangreichen neuen Erkenntnissen, entdeckten wir auch dort noch uns bisher unbekannte technische Details, wie zum Beispiel die Seilzugvorrichtung zum Einkoppeln des Mahlgangs mit doppelter Sicherung. Ausgiebig konnten wir wieder beim Auf- und Absegeln der Mühle unsere praktischen Fähigkeiten testen. Am Ende der Reise haben sich sogar zurückhaltendere unter uns davon überzeugen lassen, zum Aufsegeln den Flügel hinaufzuklettern und konnten dadurch ein besonderes Erfolgserlebnis für sich verbuchen.

Dank der Kompetenz der Müller an den Mühlen vor Ort,  sowie der umfassenden fachlichen Betreuung durch unsere Britzer Müller Reiner und Michael und das Rundum-sorglos-Paket durch Nina und Fabian konnte die Reise für uns – Kurs 20 – zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Bericht von Detlef

13.05. Passiebloem

Die Windmühle Passiebloem wurde 1776 gebaut. Im Umkreis standen damals vier weitere am Fluss.

Windmühle Passiebloem

Heutzutage läuft sie dreimal im Monat und ist eine der Ausbildungsmühlen im Lande.
Sie ist heute immaterielles Kulturerbe und erinnert an das Industriegebiet der Firma Reinders & Co.
Nach einem Begrüßungskaffee an der langen Tafel starteten wir bei Kaiserwetter und zunächst mäßigem Südwestwind nach Einführung unsere aktive Mitarbeit mit dem Aufziehen der Segel. Hierbei lernten wir verschiedene Knotenvariationen zur Fixierung des Segeltuches.

Edmund beim Aufsegeln im Flügel

Zur Anschauung der Funktionsweise wurden zwei Eimer Leinsamen in den Kollergang gegeben. Üblich zur Produktion wären drei bis vier Eimer. Ein imposantes Stampfgeräusch vermischt sich mit dem fortlaufen „Mahlbrechgeräusch“ der Leinsaat.

Rauch steigt aus dem Vuijster auf. Nach 20 Minuten Rotation des Kollerganges ist das Leinsamen gebrochen und kann anschließend im Vuijster erwärmt werden. Der erste Vuijster wird für die Erstpressung auf 30°C erwärmt, der zweite auf 70°C.

Wir konnten lernen, dass 100 kg Leinsamen ca. 35 Liter Leinöl ergeben. Das gewonnene Öl wird in einem Fass mit langen Siebeuteln filtriert und anschließend in großen Kanistern ein Jahr lang gelagert. Früher nutzte man hierfür zwei große gemauerte Lagerkeller.

Nachdem wir zuletzt die Mühle gemeinsam gereinigt haben, bewunderten wir ein recht großes elektrisch betriebenes Mühlenmodell mit allen Details im Nebengelass, fachsimpelten über die einzelnen Mühlenmodelle und erhielten interessante Einblicke in die holländische Müllerausbildung.
Als wunderbare Gastgeschenke erhielt jeder eine Flasche Leinöl. Dies sei nicht zum Verzehr geeignet.

Bericht von Victoria

12.05. Weiter geht’s mit Kinderdijk

Heute ging es mit unserer Gruppe nach Kinderdijk. Dort stehen insgesamt 19 Mühlen auf relativ engem Raum. Es sind alles Poldermühlen, die ab ca. 1630 bis in die 1950er Jahre hinein Wasser aus tiefer liegendem Land in einen höher gelegenen Kanal und abschließend in den Lek befördert haben. Zwei dieser Mühlen sind zu besichtigen, was wir dann auch gemacht haben. Wie in den letzten Tagen auch haben wir einen riesigen Vorteil als angehende Müller genutzt: Wir durften bis hoch in die Kappe(n) hinein, was „normalen“ Besuchern verwehrt ist. Auch heute haben wir einige neue Dinge sehen können. Erst wenn man Dinge direkt sieht und erleben kann, prägt es sich ein.

Die Mühlen von Kinderdijk

Bei der ersten Mühle (ausnahmsweise hat sie keinen wirklichen Namen, sondern die acht „Nederwaard“-Mühlen werden durchnummeriert) handelt es sich wie fast alle der Mühlen in Kinderdijk um einen Erdholländer. Die reiche Gemeinde hat sich gemauerte geleistet, die ärmere Gemeinde auf der anderen Seite des Kanals einen Holzaufbau, der außen mit Reet bedeckt wurden.

Eine Besonderheit dieser Mühle ist, dass es zwei große Kammräder hat. Eines oben auf der Flügelwelle, das andere unten auf der Wasserradwelle. Zur Kraftübertragung existieren auf der Königswelle lediglich zwei Korbräder, kein üblicher Bunkler oder ein Stirnrad. Ihre Verwendung hat in erste Linie ökonomische Gründe, das die Stäbe bei Abnutzung 8x gewendet werden können (4x in der horizontalen Achse und nach Wechseln der vertikalen Ebene weitere 4 x). Letztendlich eine Übersetzung von 2:1 (Zwei Flügelumdrehungen bewirken eine Umdrehung des Wasserrades). Bei der zweiten Mühle („Blokweer“) handelt es sich als einzige im Ensemble in Kinderdijk um eine Wippmühle, die aber leider aufgrund eines Defektes zurzeit das Wasserrad nicht antreiben kann. Auch hier durften wir in den Mühlenkasten hochsteigen und die entscheidenden Elemente anschauen. Das Korbrad, das im normalen Betriebszustand in das Obenkammrad eingreift, ist momentan ausgekoppelt. Die Flügel drehten sich trotz des lauen Windes relativ schnell, obwohl die Flügel nicht besegelt waren. Eine Folge der Wirksamkeit des van-Bussel-Vorhecks, auch van-Bussel-Nase genannt.

Blokweer
Der Müller erklärt Blokweer am Obenkammrad

Danach haben wir uns auf den Weg an die Küste gemacht. Es ist der einzige Tag ohne Nachmittagstermin. Und das Wetter war weiterhin traumhaft (aus Windmüllersicht vielleicht zu wenig Wind…). In Scheveningen dann allerdings die böse Überraschung: Außer uns hatten noch ganz viele andere Menschen die Idee, an den Strand zu fahren. Ein Teil der Gruppe ist nach vergeblicher Parkplatzsuche ohne einen Strandspaziergang zurückgefahren. Mit etwas Galgenhumor ist der erste Frust schnell wieder verflogen. Der zweite Teil kam sonnengetankt erst spät ins Quartier zurück.

Bericht von Frank


11.05. Herr der Steine


Am heutigen, niederländischen Mühlentag ging es zuerst nach Nijmegen zur “ de witte Molen ” von Hans Titular. Er erwartete uns schon sichtlich erfreut vor seiner Mühle. De witte Molen ist eine weiße Turmwindmühle mit besegelten Fockflügeln, welche keinen musealen Charakter hat wie so viele andere Mühlen auf unserer Reise, sondern ein aktiv produzierender Betrieb mit einem Ausstoß von ca. 200t Mehl pro Jahr. Das zeigte sich schon gleich im Eingang. Überall lagern Getreidesäcke und in der ganzen Mühle
gibt es ein Gewirr von Rohren, Elevatoren, Mischern und Silos. Überall ist auch ein leichter Mehlstaub verteilt, welcher von ständigem Mahlen zeugt, da die Mühle durch ihre Lage auf einem Berg und ihre zusätzliche Höhe gut mit Wind versorgt ist. Müller Hans führte uns durch die Mühle und erklärte uns alles ausgiebig, ausdauernd und mit einem gewissem Witz. Zu den Besonderheiten der Mühle gehörten unter anderem die Dachrinne an der Kappe, die Fockflügel aus Aluminium, die Korbsichter, eine Drehhaspel mit umlaufender Kette und eine Befeuchtungsanlage für das zu vermahlende Getreide.

Nachdem alle entstandenen Fragen ausführlichst beantwortet waren ging es weiter zur Steinwerkstatt von Hans. Er ist nämlich nicht nur Müller sondern auch Mühlsteinbauer dessen Steine in aller Welt im Einsatz sind.
Angekommen in der Werkstatt waren wir erst einmal erschlagen von der gewaltigen Menge an Mühlsteinen (neu und alt), Gußformen und Gußmaterial welches überall in der Halle verteilt war. Aber Hans brachte schnell auf gewohnt ruhige und lockere Art Ordnung in unsere Köpfe. Er erklärte uns die verschiedenen Arten von Natursteinen und sein Herstellungsverfahren für Kunststeine. Das spannende daran ist, dass er zuerst die Mahlbalken aus härterem Material formt und diese dann in der eigentlichen Mühlsteinform aufstellt und anschließend mit einem weicheren Material ausgießt. So kann er fast jede Art von Kunststeinen herstellen. Auch ganz kleine welche er als Souvenir verkauft.

Mit all dem Wissen ging es weiter zu einer besonderen Mühle wo auch Steine von Hans laufen. Zu der Öl-Getreide-Wind-Wassermühle Kilsdonk Molen zwischen Nijmegen und Eindhoven. Das ist eine kombinierte Öl/Getreidemühle welche sowohl über zwei parallele Strauberräder mit Wasserkraft als auch über eine Turmwindmühle mit Windkraft versorgt werden kann.

Kilsdonk Molen

Müller Ad gab uns eine hervorragende Führung mit allen nur vorstellbaren Details. Angefangen haben wir auf der Ölseite. Über dem Schlagwerk der Ölmühle verläuft eine gewaltige 16m lange Nockenwelle.

gewaltige Nockenwelle

Diese treibt auch zusätzlich noch einen Kollergang an zum Zerkleinern von Ölsaaten, aber auch von Wal- und Haselnüssen.
Auf der Windseite gab es als besonderes Highlight ein belgisches Drehwerk zu sehen. Hier wird die Kappe nicht mit einem Steert gedreht, sondern über ein außen an der Kappe angebrachtes Gaffelrad. Von dessen Leichtgängigkeit konnten wir uns selbst überzeugen.

angehende Müllerin testet Leichtgängigkeit der Kappe

Nachdem wir bis in den letzten Winkel der Mühle alles inspiziert und die Unterschiede zu uns schon bekannten Mühlen diskutiert hatten, verabschiedeten wir uns von Ad und fuhren zurück zu unserer Unterkunft.

Bericht von Frank

10.05. Die Mühlen-Studienfahrt nach Holland geht weiter!

Am dritten Tag ging es zum Mühlenensemble Zaanse Schans. Hier gibt es auf engem Raum mehrere unterschiedliche Mühlen. Zaanse Schans liegt ca. 20 Kilometer nördlich von Amsterdam. Das Wetter war grandios Sonne pur. Aber: Kaum Wind. Nicht einmal die Hälfte aller Mühlen waren zum Zeitpunkt unserer Ankunft „in Betrieb“.

Anke hatte für Besichtigungen Termine organisiert. Vor Ort mussten wir kurzfristig die Reihenfolge der zu besuchenden Mühlen umdrehen. Zuerst ging es in die Mühle „Het Jonge Shaap“. Dies ist eine Sägemühle. Das Prinzip haben wir uns ausführlich erklären lassen. Vieles war zwar aus der Theorie bekannt, aber durch das Erleben wurden neue Erkenntnisse gewonnen.

Sägemühle Het Jonge Shaap
Sägerahmen in Arbeit 

Anschließend ging es in die Farbmühle „De Kat“. Dieser Mühlentyp war uns bisher in der Form nicht bekannt. Hier haben wir einen ausführlichen Überblick über Grundstoffe für Naturfarben (Pigmente) erhalten.

Kollergang zum Zermahlen von Gestein zur Herstellng von Farben in „De Kat“
Stößel zum Zerkleinern der groben Steine in „De Kat“

Eine dritte Mühle hat sich eine kleine Gruppe der Müller-AnwärterInnen angeschaut: „De Bonte Henne“. Es ist eine Ölmühle zur Erzeugung von hauptsächlich Leinsamenöl. Ein Klischee wurde voll erfüllt: Der Müller trug hölzerne Clocks…

Nach einer Pause ging es weiter zu einer in der Nähe befindlichen Papiermühle. Auch dieser Mühlentyp war uns nahezu unbekannt. „De Schoolmeester“ ist die einzige noch produzierende Papiermühle weltweit. Grundstoff sind Altkleider (früher Lumpen), die in mehreren Schritten zerkleinert und immer wieder gewässert werden. Wichtig ist, dass es reine Baumwolle und keine synthetischen Stoffe sind. Die Papierfarbe wird allein aus den farbigen Altkleidern bestimmt, ohne Zusatz weiterer Chemikalien. Letztendlich wird jedes Blatt Papier einzeln zum Trocknen aufgehängt.

Papiermühle „De Schoolmeester“
Papierpresse für das geschöpfte Papier

Bericht von Anke, Frank, Detlef und Erwin

08.05. Die Mühlen-Studienfahrt nach Holland hat begonnen

Die 12 Britzer Müllerinnen und Müller besuchen dabei verschiedene historische Mühlen in Deutschland und Holland, um Anregungen und wertvolles Wissen für die Ausübung ihres Ehrenamtes, den Erhalt der Britzer historischen Holländermühle, zu sammeln.

An den ersten beiden Tagen ging es gleich zur Sache. In der Mühle Paula am Steinhuder Meer wurde der historische Mahlbetrieb studiert. Müller Hagen führte die Funktionsweise des Walzenmahlganges vor und erläuterte die unterschiedlichen Entwicklungsformen von Sichtern, die in der Mühle versammelt waren.

Mühle Paula am Steinhuder Meer
Müller Hagen am Walzenstuhl

Weiter ging es am gleichen Tag zur Bockwindmühle in Wettmar. Hier durften die Müllerinnen und Müller selber Hand anlegen, Knoten üben und Segel vorlegen. Die Flügel der Mühle waren erst letztes Jahr erneuert worden. Mit vereinten Kräften wurde die Mühle in den Wind gedreht und im Anschluss die kompakte Mühlentechnik besichtigt. Ausgetauscht wurde sich über die Mahlordnung und die verschiedenen Aufhängungen von Mühlsteinen in Bock– und Holländerwindmühlen. Die Mühle wird vom dort ansässigen Heimatverein betrieben und gewartet.

Flügel mit Segeln der Bockwindmühle in Wettmar
Blick in das Steinauge des Mühlsteins mit Balancierhaue

Am zweiten Tag führte der Weg über die Klostermühle Heiligenrode und die Bronkhorster Mühle in Holland. Die Wassermühle Heiligenrode ist ein gut erhaltenes Ensemble, um das sich die ansässige  Mühlen-Gemeinschaft Heiligenrode kümmert. In der nebenliegenden Scheune wurde der Weg des Getreides von der Ackerfurche bis in die Mühle nachvollzogen. Ein große Sammlung an alten landwirtschaftlichen und Müllereimaschinen war zu bestaunen, vom handbetriebenen Dreschflegel über die Windfege bis zur mechanisch angetriebenen Dreschmaschine. Müller Franke erklärte die Zusammenhänge von Reinigungs–, Schäl– und Bürstmaschinen. Die Wassermühle in Heiligenrode besitzt eine komplette Verarbeitungsstrecke für das gereinigte Korn vom Schrotgang bis zur Feinmüllerei. Der Antrieb der Maschinen erfolgt über eine Francisturbine und eine von unten angetriebene Königswelle, was für Wassermühlen durchaus ungewöhnlich ist. Über eine Bremsturbine kann mit Wasserkraft im Winter sogar eine Grundwärme für das Mühlenensemble erzeugt werden.

Müllerinnen und Müller am Wasserrad der Klostermühle Heiligenrode
Im Bild links Blick auf die Francisturbine

Auch an der Bronkhorster Mühle wurden wir herzlich von unseren holländischen Müllerkollegen empfangen. Hier konnten wir einen Kellerholländer mit Anlieferungshalle bestaunen. Über steile Treppen ging es hoch hinauf in die Kappe, in der wir die Bremse, ein flämischer Fang, wiedererkannten. Diese Art Bremse ist auch in der Britzer Mühle verbaut. Müller Bertraan erklärte uns außen auf dem Hügel die aerodynamischen Vorteile der Ten Have–Flügel mit Van Bussel–Nase und das selbstzwichtende Gewichtsystem, das bei zu starkem Wind automatisch die Ten Have–Flügel öffnet.

Die Bronkhorster Mühle mit Einfahrt in die Anlieferungshalle
Müller Bertraan erklärt die Ten-Haave Flügel

Bericht von Michael John

April 2024

März 2024

23.03. Saisoneröffnung

Leider hat das Wetter überhaupt nicht mitgespielt. Es hat bis zum frühen Nachmittag geregnet. Sogar Hagel hat nicht gefehlt. Also sind ein Großteil der Helfenden am frühen Nachmittag nach Hause gegangen. Der Brotverkauf lief weiter und Christina hat bis auf zwei Brote alle verkauft, sodass nur Kuchen übrig geblieben ist. Bis auf das Schei…..Wetter war es aber für alle Beteiligten ein netter Tag. Wir hatten gute Gespräche, ein paar nette Besucher und reichlich Kuchen. MoSchi


02.03. Mitgliederversammlung

Heute fand unsere ordentliche Mitgliederversammlung statt. Bei den Vorstandswahlen wurde Jens Schmidt zum neuen Schatzmeister gewählt.

Weitere Themen waren die Sicherheit an der Mühle, die Aufgabenverteilung im Verein und die Planung der Saison.

Für alle anstehenden Aufgaben wurden Mitglieder gesucht und erfreulicherweise auch gefunden. (Thoroe)

Februar 2024

Januar 2024